17.03.2018

Fachkraft in der Altenpflege – ein unterschätzter Beruf


Fachkraft in der Altenpflege – ein unterschätzter Beruf

Laura Specht und Sabine Bauereiß wehren sich gegen das Bild, das in der Öffentlichkeit von ihrer Arbeit gezeichnet wird.

Nürnberg – Wenn Laura Specht und Sabine Bauereiß von ihrem Beruf erzählen, schlägt Ihnen Respekt entgegen - und häufig der gleiche Satz: „Ich könnte das nicht“. Laura Specht ist Altenpflegerin und Sabine Bauereiß hat vor ein paar Monaten mit der Altenpflegeausbildung angefangen. Sie glauben, dass viele Menschen gar nicht so genau wissen, was Altenpfleger im Alltag tun.

 

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, die Fähigkeiten, die pflegebedürftige Menschen noch haben, zu erhalten und zu fördern. Anziehen, waschen, zur Toilette gehen: auf diese Tätigkeiten wird der Beruf oft reduziert. Tatsächlich begleiten sie Menschen bis in den Tod und kommen so in Grenzbereiche des Lebens, in denen Ängste und Nöte aufbrechen. Bei dieser körperlich und geistig anspruchsvollen Tätigkeit geht es nicht nur um die pflegebedürftigen Menschen selbst, sondern auch um die Angehörigen.

 

Fundierte Ausbildung

Das gelingt nur auf der Grundlage einer fundierten Altenpflegeausbildung, für die ein mittlerer Bildungsabschluss oder eine vergleichbare Berufserfahrung Voraussetzung ist. „Wir müssen den Menschen von Grund auf verstehen“, sagt Laura Specht. Deswegen spielen neben der Praxis Psychologie, Soziologie, Medikamente- und Krankheitslehre wichtige Rollen in der Ausbildung. „Wir geben vielen Menschen eine Chance“, meint Jürgen Multrus, der die ambulanten Dienste der Diakonie Neuendettelsau in Nürnberg leitet. „Aber die Leistung muss da sein und nicht jeder schafft das“.  

Bauereiß und Specht können nicht verstehen, dass über ihren Beruf so häufig negativ berichtet wird. Da ist von schlechter Dienstplanung die Rede, durch die Ruhepausen nicht eingehalten werden. Im Wohnstift Hallerwiese, wo Laura Specht arbeitet, gibt es jedenfalls einen genauen Dienstplan, der auch beachtet wird. Im Einzelfall springen Kolleginnen zwar ein, wenn jemand ausfällt – aber nur mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis.

Sabine Bauereiß war vor dem Beginn ihrer Ausbildung für die Ambulanten Dienste der Diakonie Neuendettelsau im Bereich Hauswirtschaft unterwegs. Auch dort sei auf ihre besondere Situation Rücksicht genommen worden, erzählt sie. Als alleinerziehende Mutter wäre die Ausbildungszeit zur Altenpflegerin für sie finanziell schwierig zu überbrücken gewesen. Ihr Arbeitgeber unterstützt sie daher mit einem Darlehen. Im Gegenzug hat sie sich verpflichtet, nach der Ausbildung für eine begrenzte Zeit bei der Diakonie Neuendettelsau zu bleiben.

Natürlich gehören Schicht- und Wochenenddienst zur Pflege, aber diese werden zeitlich ausgeglichen und mit einem Aufschlag belohnt, wenn zu außergewöhnlichen Zeiten gearbeitet wird.

 

Zeit für Zuwendung

Immer wieder kritisiert wird auch, dass zu wenig Zeit für menschliche Zuwendung bleibt. Carsten Rechenberger, der ebenfalls bei den Ambulanten Diensten arbeitet und selbst als Praxisanleiter an der Ausbildung beteiligt ist, sieht hier durchaus Möglichkeiten: „Über die sogenannte Laienseelsorge haben wir die Möglichkeit, uns mehr Zeit zu nehmen, wenn jemand uns zum Beispiel wegen einer Krisensituation etwas länger braucht. Ich habe bereits in vielen Kontexten gearbeitet, unter anderem in stationären Bereich und privaten ambulanten Pflegediensten. Seit ich bei der Diakonie Neuendettelsau arbeite bin ich angekommen.“

Jürgen Multrus, Leiter der Ambulanten Dienste der Diakonie Neuendettelsau in Nürnberg, plädiert für Klarheit: „Faktisch sind uns Grenzen gesetzt. Das sollten wir nicht ignorieren. Die wertvolle Arbeitszeit muss gut eingeteilt sein. Zeit bedeutet nicht automatisch Qualität, es kommt darauf an, wie die Zeit genutzt wird“.

 

Chance zur Weiterentwicklung

Die umfassende Pflicht zur Dokumentation ist ein weiterer Kritikpunkt. Sie ist aber nicht nur für eine korrekte Abrechnung nötig. „Das ist auch wichtig für die Übergabe, damit der nächste weiß, was los war und die Entwicklung sehen kann“, meint Sabine Bauereiß. Durch die Dokumentation können die Angehörigen nachvollziehen, dass die gebuchten Tätigkeiten auch wirklich ausgeführt wurden. Der Einzug digitaler Geräte macht die Dokumentation zudem weniger bürokratisch als früher. Weiterhin setzen wir die entbürokratisierte Pflegedokumentation StrukutrierteInformationsSammlung (SIS) um, und nutzen alle Möglichkeiten nur das nötigste zu dokumentieren. 

Auf der Liste der Mythen über den Altenpflegeberuf gehört auch der Vorwurf, es gebe kaum Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Zumindest bei der Diakonie Neuendettelsau hat jeder Mitarbeitende ein persönliches Fortbildungskontingent in Form von Zeit und Geld. Auf die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sieht, hat Laura Specht denn auch eine klare Antwort: Immer noch im erlernten Beruf, aber als Fachkraft für die Palliativversorgung.

Wichtig ist, dass der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitenden nicht nur auf dem Papier steht. Deshalb gibt es im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung eine Vielzahl von Angeboten von Yoga über Rückengymnastik bis hin zu Kochkursen, von denen die meisten kostenlos und einige wenige mit einer geringen Zuzahlung genutzt werden können. „Ich hab Selbstverteidigung gemacht“, erzählt Laura Specht. Regelmäßig kommt eine Supervisorin zu den Dienstbesprechungen, um besondere Belastungssituationen im Team – auch ohne Führungskraft - besprechen zu können.

Und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Auch hier wird in den Medien ein düsteres Bild gezeichnet. Die Tarife kann jeder mühelos im Internet finden, um sich selbst ein Bild zu machen. Das Ausbildungsgehalt beträgt je nach Ausbildungsjahr zwischen 1.046 und 1.222  Euro. Eine Fachkraft in der Altenpflege verdient bei der Diakonie – ohne Zuschläge für Kinder, Nacht- und Wochenenddienste – je nach Berufserfahrung zwischen 2689 und 3127 Euro monatlich zuzüglich einer Jahressonderzahlung Schichtzulage und vieles mehr, womit sich das Einkommen im Vergleich zu dem in anderen Ausbildungsberufen durchaus sehen lassen kann. Kein Wunder also, dass laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) Menschen in Pflege- oder Gesundheitsberufen deutlich seltener ihren Beruf wechseln als in anderen Feldern. (Quelle: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/unterschaetzter-beruf-pfleger-sind-treu-14869450.html).

 

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