24.05.2018

„Altenpflege ist mehr als nur Bettpfannen leeren“

Carsten Rechenberger hat in der Altenpflege seine Berufung gefunden


Carsten Rechenberger hat in der Altenpflege seine Berufung gefunden. Der Standortleiter der Diakoniestation Altenfurt der Diakonie Neuendettelsau erzählt warum.

Essen austeilen, Bettpfannen leeren, Popo abwischen – dem Bild, das viele Menschen von der Altenpflege haben, kann Carsten Rechenberger, Standortleiter der Diakoniestation Altenfurt der Diakonie Neuendettelsau, nur vehement widersprechen. Er sagt: „Altenpflege ist viel mehr als das!“ Für ihn ist der Beruf Berufung.

Mehr als zehn Jahre arbeitet Carsten Rechenberger inzwischen in der Altenpflege und hat noch keinen Tag bereut. In die Altenpflege kam der 38-Jährige über den Zivildienst, den er in einer Senioreneinrichtung leistete. Schnell stellte er in dieser Zeit fest, dass er in seinen ursprünglichen Beruf des Industrieelektronikers nicht zurückkehren wollte. „Den Zivildienst in der Senioreneinrichtung habe ich als Berufung gesehen“, erinnert sich Rechenberger. „Ich wollte mit hilfsbedürftigen Menschen arbeiten und sie in ihrem Alltag unterstützen.“ Deshalb zog er die für ihn einzig logische Konsequenz daraus: Er hängte seinen Industrieelektroniker-Job an den Nagel und begann eine Ausbildung zum Krankenpfleger an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg, einer Einrichtung der Diakonie Neuendettelsau, die er 2004 erfolgreich abschloss.

Menschen in ihrem Alltag helfen

Im Anschluss daran arbeitete Carsten Rechenberger zunächst mehrere Jahr in der stationären Pflege in einer Senioreneinrichtung, eher er zu einem privaten ambulanten Pflegedienst wechselte. Im August 2013 kehrte er zur Diakonie Neuendettelsau zurück. Seitdem arbeitet er in der Diakoniestation Altenfurt. Als Standortleiter ist er dort für die Personalplanung und die Organisation der Touren und Kundenbesuche zuständig. Er kümmert sich außerdem um den Erstkontakt mit Kunden, die sich für das Angebot der Ambulanten Dienste der Diakonie Neuendettelsau im Stadtteil interessieren. Und, wenn Not am Mann ist, schlüpft er in die weiße Dienstkleidung und hilft im Pflegeteam der Diakoniestation aus. Dann ist er wieder ganz nah dran an dem, was für ihn den Reiz der Altenpflege ausmacht: „Menschen in ihrem Alltag helfen und ihnen den Wunsch erfüllen, in den eigenen vier Wänden alt werden zu können“, sagt Carsten Rechenberger.

Ein falsches Bild

Er bedauert, dass viele Menschen eine falsche Vorstellung von seinem Beruf haben. „Wir machen viel mehr als nur Essen reichen und Bettpfannen leeren“, unterstreicht Rechenberger die Vielfalt seines Berufs. Altenpfleger haben jeden Tag aufs Neue mit ganz unterschiedlichen Menschentypen zu tun – „das ist immer wieder eine Herausforderung, aber eine schöne“, betont er. Empathie und Freude an der Arbeit mit Menschen sind daher auch unabdingbare Voraussetzungen für diesen Beruf. Darüber hinaus eignen sich Altenpfleger während ihrer Ausbildung ein fundiertes Fachwissen in der Theorie und Praxis an. Das betrifft einerseits pflegerisches und medizinisches Wissen, andererseits Kenntnisse der gesetzlichen und rechtlichen Vorschriften, aber auch Wissen in der Lebens-, Lebensraum- und Lebenszeitgestaltung. „Wir tragen sehr viel Verantwortung, haben aber auch den Freiraum, eigenen Entscheidungen zu treffen“, sagt der 38-Jährige. „Das macht die Arbeit so spannend.“

Zeit für Zuwendung

Durch seine Arbeit in der stationären und ambulanten Altenpflege, bei einem privaten, gemeinnützlichen und einem kirchlichen Arbeitgeber weiß Carsten Rechenberger, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen für den Beruf des Altenpflegers sein können. Während bei dem privaten Dienstleister der Zeit- und Kostendruck permanent in Rechenbergers Nacken saßen, schätzt er bei der Diakonie Neuendettelsau als kirchlichem Arbeitgeber, auch einmal mehr Zeit für die Patienten haben zu dürfen. Über die sogenannte Laienseelsorge, deren Budget über die jeweilige Kirchengemeinde finanziert wird, haben die Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege die Möglichkeit, dem Patienten auch mal etwas mehr Zeit und damit Zuwendung zu schenken. „Wenn Patienten mit mir reden möchten, kann ich mir die Zeit dafür nehmen. Ohne nachdenken zu müssen, wie ich das nun abrechnen kann“, so Rechenberger. Außerdem schätzt er die Stabilität, die ihm sein Arbeitgeber bietet: keine Sorgen um das Fortbestehen des Arbeitsplatzes oder die pünktliche Lohnzahlung. „Ich kann mich voll und ganz auf meine Aufgabe konzentrieren“, erzählt Carsten Rechenberger. „Und: Meine Arbeit wird wertgeschätzt.“

Dass dies nicht bei allen Arbeitgebern so ist, kann und will auch Carsten Rechenberger nicht abstreiten. Ebenso wie den Mangel an gutem Pflegepersonal. Er ist aber überzeugt, dass die Arbeitssituation für Menschen in Pflegeberufen in zehn Jahren eine bessere sein wird: „Es wird sich etwas tun, weil sich etwas tun muss.“ In der Zwischenzeit appelliert er an sich und seine Kollegen: „Wir müssen selbst dafür einstehen, dass wir eine gute Arbeit machen!“

 

Hinweis:

Wettbewerb „Ich pflege gerne!“

Dass es viele Altenpfleger gibt, die ihren Beruf mit Begeisterung ausüben, zeigte der Wettbewerb „Ich pflege gerne!“, den die Diakonie Neuendettelsau 2017 ausgerufen hatte. Bei diesem Wettbewerb konnten Altenpfleger auf kreative Weise zeigen, was sie an ihrem Beruf schätzen. Eine Auswahl der zahlreichen eingereichten Beiträge kann hier angesehen werden: www.ich-pflege-gerne.de